Saisonrückblick 2024/25

Erstes Trimester Im finnischen Kontiolathi lief ich mit 19 von 20 Treffern direkt im ersten Einzelrennen auf den 12. Platz, was nicht nur mein zweitbestes Weltcup-Resultat war, sondern auch die Qualifikation für die Heim WM auf der Lenzerheide bedeutete. Schade, dass mir auf den letzten 1,3km die Körner ausgegangen sind und ich noch drei Plätze […]

Erstes Trimester
Im finnischen Kontiolathi lief ich mit 19 von 20 Treffern direkt im ersten Einzelrennen auf den 12. Platz, was nicht nur mein zweitbestes Weltcup-Resultat war, sondern auch die Qualifikation für die Heim WM auf der Lenzerheide bedeutete. Schade, dass mir auf den letzten 1,3km die Körner ausgegangen sind und ich noch drei Plätze verloren habe, aber es war alles so eng beisammen. Dass ich die WM-Selektion für Lenzerheide bereits im ersten Einzelrennen der Saison knacken konnte, war natürlich der Hammer! 

Es war schon eindrücklich zu sehen, dass bereits Anfang Saison ein sehr hohes Niveau im gesamten Teilnehmerfeld war und das Ganze nochmals viel enger und kompetitiver geworden ist. Auch im Sprint schoss ich mit 0-1 sehr solide, verpasste aber als 43. die Punkteränge trotzdem knapp. Mit einer Schiesszeit von 22 Sekunden wäre ich vor ca. zwei Jahren noch in den Top 5 gewesen, aber hier gab es 16 Athleten, die noch schneller schossen. Trotzdem qualifizierte ich mich für meinen allerersten Massenstart. 

In Hochfilzen konnte ich leider nicht an den Schiessleistungen von Finnland anknüpfen. Mit den soliden Laufzeiten wäre eigentlich deutlich mehr drin gelegen. 

Auf die Wettkämpfe in Le Grand-Bornand habe ich mich besonders gefreut, da ich die kurvige und coupierte Strecke sehr mag und weil bei den lauten französischen Fans immer wahnsinnig gute Stimmung herrscht. Schade, dass ich im Sprint zweimal den letzten Schuss verfehlt habe, aber wahrscheinlich war ich gedanklich schon wieder auf der Loipe. Auch hier war das Klassement extrem eng beisammen. Als 51. haben mir am Ende auf die Top 15 nur knapp 40 Sekunden gefehlt, was nach Abzug der zwei Strafrunden durchaus möglich gewesen wäre.

Immerhin war es eine gute Ausgangslage für das Verfolgungsrennen, bei dem ich meine Leistung im Schiessstand mit einer 95% Trefferquote zum Glück wieder stabilisieren konnte. Dank dieser machte ich immerhin 15 Plätze gut und bekam ein paar weitere Weltcuppunkte als Weihnachtsgeschenk. 

Nach der Pause, in der wir nochmals einen qualitativ guten Trainingsblock mit vielen Stunden einbauen konnten, ging es in Oberhof leider nicht wie gewünscht weiter. Bei starken Windböen kam ich am Schiessstand überhaupt nicht klar und so schoss ich mich komplett aus dem Rennen. Das Wochenende war somit schon wieder gelaufen, weshalb ich mich demzufolge wieder einigen Trainingsstunden widmen konnte (musste). Allgemein war im Januar der Plan, auch zwischen den Wettkämpfen möglichst viele Stunden zu trainieren, um für die WM Mitte Februar in Topform zu sein. 

Nach meiner grossen Unsicherheit am Schiessstand bedurfte es einigen positiven Worten und guten Gesprächen mit dem ganzen Trainerstaff, um mich für Ruhpolding wieder aufzubauen und das Selbstvertrauen zurückzubekommen. Es wirkte Wunder. Im Einzel über 20 km gelangen mir wieder 19 Treffer und ich schaffte es am Ende auf Rang 10, womit ich mein bestes Karriereresultat egalisieren konnte. Es war ein super Teamergebnis mit Niklas als 4. in der Flower Ceremony, womit wir auch in der Nationenwertung fleissig Punkte sammeln konnten.

Im Staffelwettkampf gelang mir dank fehlerfreiem Schiessen ebenfalls eine starke zweite Ablösung. Als vierter haben mir knapp 6sec auf die beste Ablösungszeit gefehlt.

Auch im Massenstart war ich nach den ersten beiden fehlerfreien Liegendanschlägen top dabei. Bis Rennhälfte in der Spitzengruppe unterwegs zu sein, war ein neues, aber extrem tolles Gefühl für mich. Leider setzte ich den letzten Schuss Stehend je einmal daneben. Ich fühlte mich eigentlich so sicher und stabil, weshalb ich mich bereits in der Strafrunde riesig darüber geärgert habe. Schlussendlich war es der (trotzdem sehr gute) 15. Platz und mein bestes Massenstartergebnis. Obwohl ich mit dem Resultat an sich sehr zufrieden war, fühlte es sich irgendwie wie eine verpasste Chance an. 

Auch in Antholz haben wir wieder sehr viel trainiert. So gingen wir am Morgen meistens noch 1h30 klassisch laufen. Trotzdem gelang mir am Freitag meine bisher wohl beste Laufleistung im Sprint mit nur einer guten Minute Laufrückstand auf die Spitzenzeit. Einmal mehr schaffte ich auch eine schnelle Rangetime am Schiessstand (die zweite vom ganzen Feld), und rangierte mich trotz eines Fehlers immer noch auf dem 14. Platz.

In der Staffel blieb ich liegend wieder fehlerfrei, stehend verlor ich mit drei Nachladern leider etwas viel Zeit. Läuferisch hat es für mich auch in diesem Rennen gut gepasst und wir konnten mit dem 5. Platz das beste Schweizer Herren Staffel Resultat egalisieren. 

Am Tag darauf in der Verfolgung war aufgrund des morgendlichen Schneefalls die Strecke ziemlich eisig, unruhig und schwierig zu laufen. Ich tat mich extrem schwer, um technisch schön zu laufen und spürte zudem die Müdigkeit der vielen Trainings, weshalb ich meine gute Ausgangslager vom Sprint leider nicht nutzen konnte und sogar noch ausserhalb der Top 30 fiel. Es wurde Zeit für ein bisschen Erholung und Regeneration zu Hause vor dem finalen Aufbau vor der WM.

Vorbereitung WM
Zweieinhalb Wochen blieben noch bis zum Saisonhighlight. Doch das Vorbereitungslager in der Höhe von Antholz musste ich leider absagen. Am Tag der Abreise bin ich mit Erkältungssymptomen aufgewacht und wurde im dümmsten Moment krank. Statt dem Training blieb mir nichts anderes übrig, als eine Woche Beine hochlagern, Geduld bewahren und ruhig zu bleiben. 

Glücklicherweise wurde ich zwar wieder rechtzeitig gesund für die WM, doch hatte ich leider keine Chance mehr auf die Teilnahme zur Mixed Staffel, welche ja schon am Mittwoch anstand. Aufgrund der vielen guten Resultate des vergangenen Trimesters wäre meine Chance für diese Selektion durchaus intakt gewesen. Da das erste Einzelrennen der Herren jedoch erst später anstand, entschieden sich die Trainer, mir noch etwas mehr Zeit zu geben. 

Wir hatten keine Ahnung, wo ich stand und wieviel von der Form ich «verloren» hatte, weshalb ich den Sprint vor Heimpublikum einfach bestmöglich geniessen wollte. Eine tolle Stimmung, viele bekannte Gesichter am Streckenrand und traumhaftes Wetter – Biathlonherz was willst du mehr?

In der Startrunde bin ich zu Beginn noch etwas defensiv ins Rennen gestartet, mit Respekt vor der schweren Strecke und den blauen Beinen. Liegend bin ich fehlerfrei durchgekommen, Stehend leider wieder nur bis zum letzten Schuss. Immerhin gelang mir mit der siebtschnellsten Schlussrunde, welche praktisch gleich schnell war wie die von Weltmeister Johannes Thingnes Boe, eine Steigerung und ich verpasste die Top 20 als 21. ganz knapp. Ich war froh, dass ich durch die erzwungene Pause kaum etwas auf meine Form eingebüsst hatte. Dies dank einer guten Basis durch die vielen Trainingsstunden im Vorfeld.

Durch die Resultate in der Verfolgung und im Einzel erreichte ich die Top 30, womit ich mich ein weiteres Mal für die Königsdisziplin qualifizieren konnte. Das erste Mal bei einem Grossanlass im Massenstart (und das zu Hause) dabei zu sein, war ein grosses Ziel von mir. Noch schöner war es, dies zusammen mit Nik und Sebi zu erleben. Am Tag zuvor stand noch die Staffel an, welche für mich persönlich immer ein Highlight darstellt und mir viel bedeutet. Wir mussten dieses Mal leider kurzfristig auf Jeremy verzichten, aber James hat als Ersatzläufer seine Sache gut gemacht und wir erreichten den soliden 7. Platz.

Insgesamt war die WM ein riesiges Erlebnis für mich. Die Kulisse mit den zahlreichen Schweizer Fahnen im Publikum und den lautstarken Fans am Streckenrand war einfach unbeschreiblich und die Erinnerung daran löst bei mir Gänsehaut aus. Es hat mich auch gefreut zu hören, dass sich durch die WM diverse Leute mit dem Biathlonfieber angesteckt haben. 

 

Drittes Trimester

Zu Beginn des letzten Trimesters reiste ich mit einem mulmigen Gefühl nach Nove Mesto, vor allem nach den Wachsproblemen letztes Jahr. Zum Glück war meine Angst völlig unbegründet. Ein grosser Dank gilt den Technikern und vor allem Karel, welcher auf diesen Winter hin neu zu uns gestossen ist und für meine Skis verantwortlich war. Das Testen meiner Skis, auch vor den Wettkämpfen, hat er komplett übernommen und ich vertraue ihm dabei blind. Der Vorteil liegt für mich vor allem darin, dass ich bei den Wettkämpfen jeweils zwischen 30 und 45min später ins Stadion fahren kann. Ich habe somit mehr Zeit zu essen, muss vor dem Einschiessen nicht ewig in der Wachskabine warten, bei schlechtem Wetter einmal weniger trockene Kleidung wechseln und werde erst später nervös. Dies verkürzt die Zeit des Wettkampftages stark und gerade bei vielen Wettkämpfen in wenigen Tagen spüre ich einen grossen Unterschied, was die Regeneration betrifft. 

Item. In Nove Mesto erreichte ich nochmals zwei weitere Top 25 Resultate im Sprint und in der Verfolgung. In der Staffel befanden wir uns bis zum letzten Schiessen auf Medaillenkurs, aber Arnaud als Schlussläufer kann man keine Vorwürfe machen, da er erst im zweiten Jahr im Biathlon dabei ist. Es war trotzdem sehr cool, einmal zu dritt Arm in Arm beim letzten Schiessen mitzufiebern und zu hoffen, aber leider kamen drei Strafrunden hinzu. Es zeigt aber, was möglich wäre. Ein Staffelpodest ist nach wie vor unser grosser Traum. 

Eine Woche später in Pokljuka war lange Zeit nicht klar, ob überhaupt Wettkämpfe stattfinden können, da das ganze Stadion praktisch unter Wasser stand und auch auf der Strecke überall kleine Bäche flossen. Im Einzel war es leider wieder ziemlich böig und es herrschten garstige Bedingungen. Meine Brille war zeitweise mit einem leichten Eisfilm überzogen, so dass ich damit nichts mehr sehen konnte und ohne Brille unterwegs war, was nicht unbedingt angenehmer war. Schlussendlich habe ich dann leider auch viel zu viele Fehler geschossen. Am Ende schaute zwar mit der 26. Laufzeit – aber mit sechs Fehlern – nur Platz 50 heraus. Ich war sehr enttäuscht darüber, weil ich die Top 15 der Einzel Disziplinenwertung und somit den Nationalkaderstatus knapp verpasst habe. 

In der Mixed Staffel kam ich als Schlussläufer zum Zug und schaffte es, mit einer soliden Leistung und ohne Nachlader durchzukommen. Trotz der besten Schiessleistung überhaupt, mit gesamthaft nur einem Nachlader, erreichten wir «nur» den 7. Platz. Ich war noch nie so stolz und so enttäuscht zugleich, aber das ist Biathlon. 

Den Schlusspunkt vom Weltcupkalender setzte auch dieses Jahr wieder Oslo mit dem prestigeträchtigen Holmenkollen. Für mich ist dies immer irgendwie ein magischer Ort, mit der traumhaften Aussicht auf die Stadt und den Fjord und man spürt überall, wie die nordischen Sportarten zelebriert werden. Es war traumhaftes Frühlingswetter und die Stimmung fantastisch, vor allem wegen dem Abschied der Boe Brüder und Legenden des Biathlons. Alles war angerichtet für ein tolles Biathlonfest, ausser meine Performance. Im Sprint wollte einfach nichts zusammenpassen. Von Anfang an bin ich schlecht gelaufen, mit nur 70% Trefferquote habe ich auch zu viele Fehler geschossen und somit leider den Verfolgungswettkampf knapp verpasst. Ich war masslos enttäuscht und es war einfach schade, dass nach diesem Rennen meine insgesamt gute Weltcupsaison so abrupt geendet hatte. 

Es folgte noch ein dicht gedrängtes Programm mit den World Military Games, welche alle 4 Jahre stattfinden und als Spitzensportler im Fördergefäss der Schweizer Armee immer eine Ehrensache für mich darstellt. 

Saisonende
Nach dem Rückflug von Oslo ging es direkt an die Eröffnungsfeier nach Luzern und tags darauf stand bei tiefen und weichen Verhältnissen im Goms schon wieder ein Sprint auf dem Programm. Trotz grosser Müdigkeit ist mir der Wettkampf erstaunlich gut gelaufen und mit nur einem Fehler erreichte ich den zweiten Platz hinter Eric Perrot, dem Einzel Weltmeister aus Frankreich. Es war mit Abstand mein bestes Rennen des letzten Trimesters. Es folgte die Mixed Staffel am Donnerstagmorgen. Den Militärhelikoptern nach zu urteilen, die vor dem Start nacheinander beim Flugplatz in Geschinen landeten, konnte man erahnen, welcher Stellenwert dieser Wettkampf bei der Schweizer Armee hatte. Wieder als Schlussläufer, ging ich dieses Mal zusammen mit Lukas Hofer ins Rennen. Er gab direkt in der ersten Runde ein hohes Tempo an, bei dem ich leider nicht ganz folgen konnte. Liegend benötigte ich dann einen Nachlader und stehend kam ich fehlerfrei durch, konnte ihm aber leider nicht mehr viel näherkommen. Nichtsdestotrotz reichte es uns für den viel umjubelten 3. Platz, an welchem natürlich auch die zahlreichen hohen Personen der Schweizer Armee riesige Freude hatten. Am Freitagmorgen stand die Patrouille auf dem Programm, welche immer ein sehr spezieller Wettkampf ist, da er auch nur sehr selten vorkommt. Man nimmt dabei zu viert zusammen die 20km in Angriff. Der Langläufer ist der Patrouillenführer und jeder Biathlet schiesst je einmal nach seinem Kommando. Auch die Strafrunde müssen alle gleichzeitig absolvieren. 

Am späteren Nachmittag folgte dann noch der SM Sprint. Mich reizte die Herausforderung, zwei Rennen an einem Tag zu absolvieren, was erstaunlich gut ging. Vor allem im Kopf merkte ich aber, dass die Reaktionsfähigkeit beim Schiessen und auch die Konzentration und die Haltefähigkeit nach den vielen Wettkämpfen extrem nachliess, weshalb ich auch beim Massenstart am Sonntag vor allem im Stehendschiessen grosse Probleme hatte. Nichtsdestotrotz konnte ich mit zwei Vize Schweizermeistertiteln eine schöne Saison beenden. 

Fazit
Ich darf auf eine konstante Wettkampfsaison zurückblicken, in der ich allgemein einen grossen Schritt vorwärts gemacht habe. Dank einer Steigerung im läuferischen Bereich und vor allem einer Verbesserung in der Liegend Trefferquote um 8%, erreichte ich in über der Hälfte meiner Einzel Weltcuprennen einen Platz in den Top 30 und klassierte mich am Ende auf dem 37. Platz in der Gesamtwertung. Neben der WM waren die vier Top 15 Rangierungen sicherlich die Highlights für mich, aber auch die vielen Staffelrennen waren jedes Mal etwas Besonderes. 

Obwohl ich diese Saison in den Einzelrennen leider nie fehlerfrei bleiben konnte, sind mir immer wieder solide Resultate gelungen. Das hypothetische «Fehler subtrahieren» ist im Biathlon zwar gang und gäbe und genauso überflüssig wie das «was wäre, wenn», trotzdem zeigen mir solche Gedankenspielchen, was in einem perfekten Rennen möglich wäre. Es gibt mir vor allem sehr viel Motivation für das Sommertraining. 

Als Leistungssportler will ich mich immer nach oben orientieren. Ich bin selbstkritisch genug, um zu erkennen, dass weiterhin viel Arbeit auf mich wartet, um noch besser zu werden. Einerseits gilt es nach wie vor, mich in der läuferischen Kapazität zu verbessern und auch an der Skating Technik zu feilen. Andererseits möchte ich meine Trefferquote weiter nach oben schrauben. Ganz konkret, mich meinen allerletzten Schüssen widmen . 

Vielen Dank für eure wertvolle Unterstützung in der letzten Saison, ich habe es sehr geschätzt! 

Herzliche Grüsse
Joscha 

 

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